Historisches

Chronik - Geschichte der Fliegerei auf Norderney

1910
Erste Norderneyer Sportwoche, Ausgetragen vom Renn- und Sportverein
Als Große Attraktion veranstaltet die "IKAROS-GESELSCHAFT" Schaufüge am Strand. Am Start waren Vision-, Wright und Geradeflieger leider liessen die Windverhältnisse nur einige Gleitflüge zu. Aber die Schiffe bringen alleine 3000 Schaulustige nach Norderney. Einige Tage darauf gelang ein längerer Flug über Strand, Dünen und Meer. Die unter den Augen von tausenden Schaulustigen darunter auch der demissonierte Reichskanzler Fürst von Bülow.

1914
Durch den Kriegsausbruch werden die Seebadeanstalt geschlossen und es werden militärische Befestigungsanlagen gebaut. der Krieg fördert die Entwickling von Flugzeugen die auch in Serie produziert werden können. Dies führt schliesslich auch zur Einrichtung einer Seeflugstation auf der Westseite der Insel, die aus einer Ablaufbahn und einem Holzschuppen besteht.

1916
Erweiterung der Anlagen um eine Werfthalle, zwei Flugzeughallen sowie eine Kasernenanlage. Die damals noch der Marine angehörigen Flieger haben die Aufgabe, Aufklärungsfüge über der Deutschen Bucht zu fliegen.

1917
Stationierung der ersten "Großflugzeuge" GOTHAS auf der Insel1918Für die Gründung des neuen Flugplatzgeländes werde gewaltige Aufspühlungen vorgenommen. Norderney erhält eine große Flugzeughalle und ist somit der größte deutsche Seefliegerhorst.

1919
Durch den Vertrag von Versailles werden die private Nutzung von Flugzeugen stark eingeschränkt. Militärische Flugzeuge werden verboten und müssen vernichtet werden. Der Damalige Bürgermeister Berghaus setzt sich dafür ein, dass die Norderneyer Seeflugstation erhalten bleibt. Es wird auf die Demontage der Anlagen durch die Entente verzichtet.

1922
Gründung der Flughafen Norderney GmbH "Fluhaney" der Sitz der Gesellschaft ist Bremen1923Die Junkers-Werke in Dessau mit der Abt. Luftverkehr wird im Juli Pächter des Flugplatzes.

1925
Die Bremer Luftverkehr GmbH wird verpflichtet in der Zeit vom 15 Juni bis 15 September einen regelmässigen Flugverkehr von Bremen über Wangerooge nach Norderney einzurichten. Diese beförderten im ersten Jahr 1100 Fluggäste und und über zehn Tonnen Gepäck.

1926
Gründung der Deutschen Lufthansa. Auf dem Norderneyer Fluggelände wir expandiert. Es werden Aufschüttungen vorgenommen ein Restaurant sowie Abfertigungshallen entstehen, beim Deutschen Seeflugwettbewerb wird die Insel zur Zwischenlandestation. In einer Pressekampagne für Norderney wird der Flugplatz erster Deutscher Übersee-Flughafen und Flugstützpunkt in Internationalen Nordseeflugdienst. Die Lufthansa plant die Strecke Travemünde-Norderney-Hull und von schwedischen Gesellschaften (Aero Transport und Imperial-Arways) wird eine Linie Goethenburg-Norderney-Harwich eingerichtet.
Durch Blitzschlag stürzt eine Lufthansa-Maschine im Westen von Juist ins Watt der Pilot Traczinsky und drei Passagiere werden getötet
Statistik in diesem Jahr: 1123 Bewegungen, 1962 Personen befördert, 6180Kg Fracht inkl. Post, 11 Photoflüge, 43 Probeflüge, 77Rundflüge, 81 sonstige Flüge.

1927
Das Flugboot Dornier R 25 der Amundsen - Nordpol-Expedition landet bei einem Testflug von Oslo nach Harwich auf Norderneys Wasserflughafen. Eine Focke-Wulf Möwe mit ( Passagieren) wird von der Lufthansa und der Norddeutschen-Luftverkehr AG gemeinsam für die Linie Bremen-Norderney Borkum eingesetzt. Es erfolgt die Einrichtung der Flugwetterwarte am Flugplatz.
Oberpäsident der Provinz Hanover, Gustav Noske schaut der Landung des größten Flugbotes der Welt auf Norderney zu und spricht sich dafür aus, dass die Insel Seehafen für den Transozeanverkehr wird.

1928
Das Reichsfinanzminesterium fördert den Ausbau des Wasserflughafens mit dem Bau eines Hebekrans und der Verlängerung der Kranbrücke mit 220.000 RM. Für die Vergrößerung des Landflugplatzes werden 800.000 RM bereitgestellt. Im Sommer machte der "König der Lüfte" Herhart Fieseler Flugvorführungen.

1929
Flugzeuge der Lufthansa versorgen die durch Eisbarrieren vom Festland abgeschnittenen Inseln mit Post, Medikamenten und Lebensmitteln. Der Zwischenlandeplatz Norderney verliert durch die direkte Seefluglinie Skandinavien-England an Bedeutung.

1930
Die FLUHANEY pachtet den früheren Luftschiffplatz Hage bei Norden und überläßt ihn der LUFTDIENST GmbH als Zwischen-und Notlandeplatz für den Seebäderdienst. Ferner wird die Anpachtung der ehemaligen Seeflugstation Helgoland geplant.

1932
Norderney erhält im August Besuch von der Do X, die mit ihren 12 Motoren seinerzeit das größte Flugboot der Welt war. Mehr als 2.100 Schaulustige besichtigten das als Weltsensation und technisches Wunderwerk geltende Luftfahrtzeug.

1934
Die Fluganlagen auf Norderney werden ab dem 01.April vom Reichsfinanzministerium in die Zuständigkeit des Luftfahrtministeriums übertragen. Der Staat Preußen will der Gesellschaft beitreten. Als Entschädigung erhält die FLUHANEY 90.000,- RM zum Bau eines neuen "Luftbahnhofs" an der Bülowallee, mit einem Nießbrauchrecht bis 1952. Die zivile Nutzung des Wasser- und Landflugplatzes bleibt erhalten.

Die Lufthansa setzt im Liniendienst die dreimotorige in Metallbauweise konstruierte Ju 52 ein.

Großes Segelfliegertreffen auf Norderney. Am Nordstrand wird eine Hauptübungsstelle für den Segelflug eingerichtet.

Getarnte Aufstellung einer Seefliegerstaffel auf Norderney.

1935
Laut Vertrag vom 2.März überträgt die FLUHANEY sämtliche Rechte und Pflichten am Wasser- und Landflugplatz an das Luftamt Kiel ab.

Die Lufthansa richtet ihr Büro bis zur Fertigstellung des Luftbahnhofes in zwei Badekarren ein.

Richtfest des Luftwaffen-Kasernengeländes an der Mühle im August.

1936
Norderney erhält den Status "Sonderflughafen" und darf fortan ausschließlich im Interesse der Landesverteidigung von deutschen Flugzeugen angeflogen werden. Es folgt der Ausbau des Flugplatzes zum Seefliegerhorst Norderney. Der südliche Bereich des Flugplatzes wird zum Watt und Fahrwasser durch eine Spundwand abgeschlossen. Bau einer zweiten Ablaufbahn und Errichtung eines großen Hebekrans. Auf Norderney wird die Küstenfliegergruppe 106 stationiert, mit Seedoppeldecker He-60, He-42 und He-59.

Bau umfangreicher militärischer Befestigungswerke und Geschützstellungen auf der Insel.

1939
Aufbau der fliegenden Seenotstaffel 1 Norderney mit drei He-59 Wasserflugzeugen unter dem Kommando von Karl Born. Die Diensträume werden im Lufbahnhof eingerichtet.

Kriegsausbruch am 01.September. Räumung der Insel. Bis 1945 Sperrgebiet und bedeutender Luftwaffenstützpunkt. Starker Ausbau mit Flak-Batterien.

1941
Verschiedene direkte Bombenangriffe auf die Insel, Tote unter der Zivilbevölkerung, Zerstörung von Gebäuden. Seenotstaffel rettet zahlreiche deutsche und alliierte Flugzeugbesatzungen nach Notwasserungen oder Abschüssen über dem Meer. Eindeichung des Südstrandpolders und geplanter Ausbau zu einem Militärflugplatz.

1945
Kapitulation der Wehrmacht. Besetzung der Insel durch kanadische Truppen. Übergabe der Seefestung und Beginn der Demontage der umfangreichen Militäranlagen. Abbruch der Hangars, der Werfthalle, des Hebekrans. Sprengung der Ablaufbahnen und der Betonflächen. Letzter Start einer DO 28 mit deutsch-englischer Besatzung vom Seefliegerhorst Norderney.

1946
Norderney wird Erholungszentrum der englischen Armee. Zahlreiche Hotels und Einrichtungen werden von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. Norderney wird niedersächsisches Staatsbad.

1948
Währungsreform. Norderney werden die Stadtrechte verliehen.

1951
Bremen plant die Wiederaufnahme des Seebäderflugdienstes nach den Ostfriesischen Inseln. Der ehemalige Flugplatz befindet sich in desolatem Zustand, die in 1949 aufgestellten Sendemasten des NWDR behindern die erforderliche Vergrößerung des Rollfeldes.

1954
Inbetriebnahme eines Behelfsflugplatzes auf dem Heller vor dem Golf-Hotel. Luftreisedienst Niedersachen GmbH richtet Linienflüge nach Braunschweig und Hannover ein.

1956
Verlängerung der Landebahn auf 700m um den Platz auf für größere Maschinen anfliegbar zu gestalten.

1959
Bedarfsluftverkehr Düsseldorf-Norderney mit drei viersintzigen Cessnas der Essener Luftwerbung GmbH.

1960
Deutsche Taxiflug GmbH stationiert erstmalig mehrere Flugzeuge auf Norderney und richtet ein Charterbüro ein.

1963
Pläne zum Bau eines neuen Flugplatzes wegen ungünstiger Flugbedingungen bei Seitenwind, Überflutung und fehlender Ausbaumöglichkeiten des Behelfsplatzes.

1965
FLUHANEY entscheidet sich für die Verlegung des Platzes in die bisher von Theodor Hasbargen betriebene Landwirtschaft im Grohdepolder.

1967
Neugründung der Luftsportgruppe Norderney.

1969
Gründung der Frisia-Luftverkehr GmbH, Norddeich (FLN), für den Flugdienst und den Linienflugdienst zu den Inseln Juist und Norderney.

1970
Fertigstellung des Flughafengebäudes mit Restaurant. Einweihung des Flugplatzes.

1973
56 Flugzeuge landen beim Deutschlandflug zum Zwischenlandestop auf Norderney.

1974
Asphaltierung der Runway und der Rollwege.

1976
Istallation einer UKW-Peilanlage. Ermalige Landung eines düsenbetriebenen Flugzeuges (Cessna Citation 500).

1981
Verleihung des Titels "Fliegerfreundlichster Flugplatz Niedersachsens".

1983
Ab November Beginn der Pilotenausbildung durch Zusammenarbeit der Luftsportgruppen Norderney und Leer/Nüttermoor.

1986
Anschaffung eines neuen Löschfahrzeuges. Erster "Tag der offenen Tür".

1987
Besuch der Lufthansa-Traditionsmaschien D-AQUI des Typs Ju 52; Beginn umfangreicher Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen am Flugplatzgelände.

1988
Fertigstellung des neuen Aussichtspunktes am Flugplatz.

1992
Erstmalig regelmäßige Tagesverbindung zwischen der Insel und Berlin-Tempelhof mit dem "Swearing Metroliner II".

1993
Bau einer Flugzeughalle mit Drehscheibe für Flugzeuge der Luftsportgruppe Norderney.


Unser ganz besonderer Dank gilt Herrn Manfred Bätje, der sämtliche Informationen für eine Broschüre anläßlich des 75-jährigen Bestehens der Fluhaney zusammengetragen und aufbereitet hat.

(Mit freundlicher Genehmigung der Flughafen Norderney GmbH)